Deepfake – die schöne neue Welt der KI

20. Mai 2026

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Deepfake – die schöne neue Welt der KI

Wenn der Fallschirmsprung aus dem Handyfoto kommt

Bei der 18. Ausgabe von #digit-R im Degginger hat die R-KOM Anfang Mai gezeigt, wie weit KI-generierte Bilder, Videos, Stimmen und Musik bereits in unseren Alltag vorgedrungen sind. Der Abend machte sichtbar, was die neuen Werkzeuge können, und stellte die Frage, wie wir Orientierung behalten, wenn Medien immer leichter künstlich erzeugt werden können.

Ein Besucher wird mit dem Handy fotografiert. Wenige Minuten später ist er in einem kurzen Videoclip zu sehen, wie er mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springt. Nicht als grobe Spielerei, sondern als beeindruckend plausibler KI-Clip.

Dieser Moment brachte auf den Punkt, worum es bei der #digit-R-Veranstaltung „Deepfake – die schöne neue Welt der KI“ ging: Künstliche Intelligenz ist kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Sie ist längst verfügbar und verändert, was wir sehen, hören und für glaubwürdig halten.

Über 100 Besucherinnen und Besucher kamen ins Degginger, eingeladen hatte die R-KOM im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe #digit-R. Konzipiert und moderiert wurde der Abend von Christian Omonsky, Geschäftsführer der Regensburger Kommunikationsagentur CONCEPTNET. Sowohl R-KOM als auch CONCEPTNET sind Mitglieder im Forum Kreativwirtschaft Regensburg.

Den Auftakt machte die Regensburger Filmproduktion one4two, ebenfalls Mitglied des Forums Kreativwirtschaft. Philipp Froschhammer, Markus Redlich und Tobi Morawetz zeigten Ausschnitte aus KI-generierten Videodateien und gaben Einblick in deren Entstehung. Die Live-Demonstration mit dem Fallschirmsprung zeigte besonders anschaulich, wie niedrig die Einstiegsschwelle inzwischen geworden ist. Was früher Spezialwissen, große Budgets und lange Postproduktion erforderte, lässt sich heute mit wenigen Ausgangsdaten und den richtigen Werkzeugen in kurzer Zeit erzeugen.

Dr. Esther Fee Reinhardt, Informatikerin, Musikwissenschaftlerin und Expertin für KI und Klang, verlagerte den Blick auf Musik und Emotion. Sie fragte, welche Aufgaben KI wirklich löst und bei welchen nur dieser Eindruck entsteht. Besonders eindrücklich war ihr Gedanke, dass Kunst nicht nur aus einem Ergebnis besteht, sondern auch aus investierter Zeit, Aufmerksamkeit, Emotion und Hingabe.

Dr. Stefan Christoph von der Universität Passau zeigte anschließend, wie KI-generierte Inhalte Verschwörungserzählungen verstärken können. Bilder und Videos gelten vielen Menschen noch immer als besonders glaubwürdige Belege. Wenn solche Inhalte aber in großer Zahl, zielgruppengenau und sehr schnell erzeugt werden können, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Behauptung und Widerlegung. Das Problem ist dann nicht nur der einzelne Fake, sondern der Vertrauensverlust, der daraus entstehen kann.

Zum Abschluss brachte Patrik Stemmer die pädagogische Perspektive ein. Medienkompetenz bedeutet aus seiner Sicht nicht, alles sofort sicher erkennen zu können. Es geht vielmehr darum, Fragen zu stellen, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen und digitale Spuren wie bei einer Detektivarbeit zu prüfen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es keine einfache technische Lösung geben wird. Kennzeichnungen, Prüfwerkzeuge und Regulierung können helfen. Entscheidend bleibt aber, ob Menschen lernen, mit Unsicherheit umzugehen. Nicht jedes Video ist ein Beweis. Nicht jedes Bild zeigt, was wirklich geschehen ist. Und nicht jeder professionell wirkende Inhalt verdient automatisch Vertrauen.

Für das Forum Kreativwirtschaft Regensburg war die Veranstaltung zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie Mitglieder des Netzwerks gesellschaftlich relevante Digitalthemen in die Stadtöffentlichkeit tragen: R-KOM als Veranstalterin der Reihe #digit-R, CONCEPTNET mit Konzeption und Moderation und one4two als Regensburger Kreativunternehmen auf der Bühne.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Abends: Vertrauen wird nicht verschwinden. Aber es wird anspruchsvoller. Es entsteht künftig weniger aus perfekten Bildern als aus Kontext, Quellen, Transparenz und der Bereitschaft, genauer hinzusehen.

Bilder: R-KOM/altrofoto.de